Hoffnungsvolle Trends 2016

Als ich den aktuellen Zukunftsreport las, freute ich mich sehr. Denn mit diesen Trends erhalten Veränderungsverantwortliche so manche Anregung und eine gute Orientierung für die Ausrichtung unserer Entwicklungsimpulse. Innerlich gejubelt habe ich z.B. beim Trend Next Economy und der Anregung, die Idee des qualitativen Wachstums loszulassen – denn es wird höchste Zeit!                       

  1. Megatrend Achtsamkeit. Megatrends verändern die Welt, zwar langsam, dafür aber grundlegend und langfristig. Megatrends sind jene Veränderungsprozesse, die langfristig, nachhaltig und komplex die gesamte Welt verändern. Sie unterscheiden sich von anderen Trendarten deutlich dadurch, dass sie nicht auf ein Segment, eine Branche, eine Region oder ein einzelnes Thema – oder einen simplen Markt – beschränkt sind. Megatrends durchdringen alle gesellschaftlichen Bereiche, verändern Politik, Lebenswelten und Wertesysteme. Sie sind die Blockbuster des Wandels. Oder auch: „Lawinen in Zeitlupe“.
    Der Mega-Trendbegriff der kommenden Jahre ist Achtsamkeit. In einer überfüllten, überreizten, überkomplexen Welt gilt es zu lernen, sich auf neue Weise auf sich selbst zu besinnen und die eigene mentale Souveränität wieder herzustellen. Wer in jeder Sekunde ununterbrochen kommuniziert, kann sich irgendwann selbst nicht mehr spüren. Achtsamkeits-Menschen verabschieden sich von den immer schrilleren Sensationen und Angst-Produktionen der Medien. Sie steigen aus dem Panik- und Paranoia-Diskurs aus und wenden sich wieder den menschlichen Beziehungen zu. Sie sind achtsam nicht nur der Welt und den Mitmenschen gegenüber, sondern auch den eigenen Gefühlen gegenüber. Sie lernen, ihre innere Angst vor der Zukunft zu moderieren. Sie verstehen, wie ihr Selbst mit der Welt zusammenhängt. Die weiteren Trends basieren auf diesem Megatrend.
  2. Der OMline-Trend beschreibt die Übersetzung des Achtsamkeits-Denkens in die digitale Welt. Neue Kulturtechniken entstehen, die digitale und reale Welt geraten in eine neue Balance. Es geht um „selbstbestimmte Vernetzung“ auf einer humanen Basis. Dabei geht es nicht darum, einfach offline zu gehen, sondern das online besser in den Griff zu bekommen. Die Technik bestimmt nicht mehr unser Leben, sondern umgekehrt.
  3. Createups bilden eine neue Kategorie von Startups, die zukunftsweisende Unternehmenskulturen in der Netzwerkökonomie etablieren.
  4. Die blaue Ökologie überträgt den ökologischen Gedanken in eine ganzheitlichere Dimension und befreit ihn vom Schuldgehäuse der Umweltsünde. Das Motto:“ Wir sind verantwortlich, aber nicht schuldig“ forciert die kollektive Handlungsstärke.
  5. Experience Marketing besinnt sich auf die Ansprache der wirklich relevanten menschlichen Bedürfnisse im Zeitalter der Vernetzung. Globalisierung führt zu einer verstärkten Sehnsucht nach Heimat und Region. Individualisierung führt zu einer Suche nach Gemeinschaft. Immer mehr leerer Konsum führt zu einer neuen Sinnsuche.
  6. Das Dollar Street Project nutzt Fotos als Daten und zeigt, wie vielfältig – und wie überraschend ähnlich – unsere globalisierten Lebenswelten gestaltet sind. These: Um unsere Welt besser zu verstehen, ist es hilfreicher, unsere Betrachtungsweisen zu vereinheitlichen und so eher die Gemeinsamkeiten zu betonen und wertzuschätzen.
    (Siehe auch youtube: http://www.gapminder.org/downloads/dollar-street/)
  7. Procruiting überwindet die alte Unsitte der Taylorisierung von Menschen zum Zwecke der Anpassung an „Arbeitsplätze“. Künftig bewerben sich Firmen bei Mitarbeitern.
  8. Die Next Economy beginnt, wenn wir verstanden haben, dass wir die alte Idee des quantitativen Wachstums loslassen können, ohne dass wir morgen verarmen.
  9. Human Smart Tech zielt nicht auf das technologisch Machbare, sondern auf das menschlich Sinnvolle.
  10. Und last not least eine neue Trendkategorie: Metatrends. Metatrends sind Tiefenströmungen des Wandels. Als Entwicklungskonstanten der globalen Gesellschaft umfassen sie mehrere Jahrzehnte. Im Zukunftsinstitut werden Metatrends im Rahmen eines dynamisch-evolutionären Zukunftsmodells definiert. In dieser Sichtweise sind Metatrends Synthetisierungen oder Symbiosen von Paradoxien. Sie sind die (systemische) Lösung eines Widerspruchs zwischen Megatrend und Gegentrend. Beispiele sind:
    • Metatrend Glokalisierung: Synthese aus Globalisierung und Heimatbezug
    • Metatrend Wir-Kultur: Synthese aus Individualisierung und Gemeinschaftssehnsucht
    • Metatrend Blaue Ökologie: Synthese aus Schuld-Ökologie und Hedonismus

(vgl. Zukunftsreport 2016, Zukunftsinstitut (Matthias Horx et al.))

 

Was meine Sie/was meint Ihr zu diesen Trends? Was spricht an – was nicht? Welche Trends sind für erfolgreiche Veränderung inspirierend und nützlich?

 

https://open.buffer.com/

2 Responses

  1. Das Thema „Procruiting“ spricht mich gerade besonders an, da viele Organisationen bereits damit zu tun haben und oftmals ratlos sind, wie sie sich für Bewerber attraktiv machen können und worauf es Bewerbern ankommt. Hier ein paar Aspekte, die dabei eine Rolle spielen:

    – Viele Menschen wollen nicht mehr täglich ins Büro fahren
    – Nicht mehr die Menschen kommen zur Arbeit, sondern die Arbeit kommt zu den Menschen
    – Flexibilisierung von Arbeit in Ort, Zeit und Struktur: Zeitarbeit, Teilzeitarbeit, Gleitzeit,
    Vertrauensarbeitszeit, Telearbeit, Mobile Arbeit, Smarter Working, Co-Working, Cloud Work…
    – Immer alles im Zugriff (Daten, Applikationen, Services): corporate IT – IT user – Internet
    – Freiraum für Flexibilität, wann und wie sie Aufgaben/Projekte erledigen
    – Work-Life-Balance, Diversity und Chancengleichheit
    – häufigere Wechsel (Gen Y ist oftmals weniger loyal)
    – „bring your own device“

    1. Katja Vittinghoff

      Gestern las ich im Wiener Kurier einen Artikel über buffer, ein Unternehmen gegründet 2010 im Bereich Social Media und Online Marketing.

      Auf deren Website lese ich Vieles, dass dem Trend “Procruiting” entspricht:

      „The Buffer Team
      We’re a fully distributed team, meaning that we’ll be fixing bugs and replying to your questions from around the world!
      The Buffer team works from multiple countries and continents. Living in a place that makes you happy is one of our core beliefs, and has stayed with the company since the beginning.“

      Das Team kennt kein gemeinsames Büro, dafür mehrere „retreats“ im Jahr.
      Die Kalender aller sind transparent, ebenso wie ihre Gehälter. Arbeitszeiten genauso flexibel wie Arbeitsorte – und Happyness ein Grundwert!
      open.buffer.com

Leave a Reply